|
Makroorganismus Fließgewässer
Die Wahrnehmung eines Flusses als großmaßstäblicher
Organismus (Organismenkollektiv) in allen Dimensionen einschließlich der Zeitachse
("zeitfluss") lässt sich am Beispiel des Lech und seiner Nebenflüsse besonders gut nachvollziehen. Neben dem Naturschutzaspekt hat die Vermittlung dieser besonderen Umstände über verschiedene Medienkanäle große Bedeutung für die Bewusstmachung der für den jeweiligen Organismus maßgeblichen Zeitskala. Bisher wurde die Eigendynamik eines derartigen Gewässers immer nur mittels Einzelaufnahmen, die auf der Zeitachse meist ungleichmäßig verteilt waren, festgehalten. Nun sollen die morphologisch wirksamen Veränderungen mit Hilfe kontinuierlicher Aufzeichnungen über einen längeren Zeitraum veranschaulicht werden. Damit können die selbsttätig ablaufenden morphologischen Umbildungsprozesse und ihre Geschwindigkeit sowie deren Veränderung (Beschleunigung, Verzögerung) detailliert dokumentiert werden. Die dadurch gewonnenen Informationen bieten in Hinkunft eine wesentliche Hilfestellung bei der Beurteilung der Beeinträchtigungen durch Flussbaumaßnahmen und bei der Abschätzung des zur Erholung des flussmorphologischen und gewässerökologischen Zustandes erforderlichen Zeitraumes. Die neuen Methoden der Telekommunikation und die verschiedenen Möglichkeiten elektronischer Bildverarbeitung erschließen außerdem verschiedene Annäherungen an das Thema der Dokumentation mit anthropogen beeinflusster Zeitdarstellung. Der Fluss als Objekt und Subjekt In diesem Fall wurde aus Gründen der Betriebssicherheit für zwei Kameras und die Übertragungsstation eine stationäre Stromversorgung eingerichtet. Der Lech ermöglicht also seine eigene Beobachtung, denn die Stromversorgung im Bezirk Reutte wird zum Großteil aus lokalen Wasserkraftwerken gespeist, die unter anderem auch vom Lech und seinen Nebenflüssen bestritten werden. Nicht der große Motor Sonne ist es also, der die Dokumentation antreibt, sondern der Beobachtete selbst. Der Fluss beobachtet sich selbst... Die für dislozierte Standorte mit temporärer Charakteristik besonders geeigneten Solarmodule zur Energieversorgung werden nur bei der dritten Kamera eingesetzt. Die Übertragung der Bilder zur Basisstation erfolgt über das Funknetzwerk. Diese Station kann also innerhalb des Übertragungsradius vollkommen unabhängig positioniert werden. Die Kamera beobachtet, als Komplement zu den Übersichtsbildern der beiden ersten Aufnahmepunkte, einen Ausschnitt aus den Kleinstrukturen des Gewässerrandbereiches. Im Gegensatz zum Blick auf den Makroorganismus Fluss versuchen wir hier, den Mikrostrukturen der Gewässerlebewelt auf die Spur zu kommen. Auswertung Bei der Auswertung wird zwischen der Dokumentation in Echtzeit ohne (wesentliche) vorherige Bearbeitung und der eingehenden Interpretation und Verarbeitung des gewonnenen Materials auf der Basis traditioneller Datensammlungen unterschieden. Online Durch die unmittelbare Übertragung der Bilder auf den Internet-Server sind diese bzw. eine Auswahl davon über das Internet der Allgemeinheit zugänglich. Damit werden zwei Ziele verfolgt:
Durch die simultane Darstellung korrelierter Parameter wie z.B. der aktuellen Wasserstände an benachbarten Pegelstellen werden Zusammenhänge verständlich gemacht. Verarbeitung
Den Abschluss von "zeitfluss" bildet die mit zusätzlichen Informationen verknüpfte interpretatorische Be- und Verarbeitung der aufgezeichneten Bilder in einer geordneten Bildsequenz (Zeitrafferfilm). Als Zusatzinformationen sind hydrographische Daten (z.B. Pegelmesswerte von Steeg und Vils, ermittelt vom Hydrographischen Dienstes Tirol) und die generelle Dokumentation des Bauforschrittes vorgesehen. Damit sollen die Interpretationsmöglichkeiten erweitert und die Identifizierung von korrelierten Ereignissen und Zuständen ermöglicht werden. |